Sponsoring

Sponsoring ist die Zuwendung von Geld-, Sach- oder Dienstleistungen eines Privaten aufgrund vertraglicher Vereinbarung an eine Wissenschaftseinrichtung zur Förderung des gesetzlichen Auftrages / Zweckes der Wissenschaftseinrichtung mit Außenwirkung, für den keine oder nur unzureichende öffentliche Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.

Der Sponsor erlangt damit einen öffentlich wirksamen (werblichen) Vorteil (Publicity). Insofern ist das Mäzenatentum vom Sponsoring abzugrenzen, da es dem Mäzen aufgrund persönlicher/ altruistischer Motive (bürgerschaftliches Engagement) gerade nicht auf eine öffentlichkeitswirksame Hervorhebung ankommt. Bei mäzenatischen Zuwendungen (z.B. Spenden zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke, Schenkungen, Erbeinsetzungen) erfolgt im Gegensatz zum Sponsoring keine unmittelbare Gegenleistung des Zuwendungsempfängers.

Sponsoring ist zudem von Kooperationen zu unterscheiden, bei denen gleichgerichtete Ziele und gemeinsame Vorhaben bei angemessener Kostenteilung verfolgt werden. Während Sponsoring nur zugunsten von Organisationen erfolgen kann, richtet sich die Annahme von Zuwendungen durch Einzelpersonen nach den dem Beschäftigungsverhältnis zugrunde liegenden Regelungen zur Annahme von Belohnungen und Geschenken.

Beispiele

Beispiele für Sponsoringleistungen sind:

  • Zweckfreie Spenden, Verwendung z.B. für Workshops, Konferenzen, Tag der offenen Tür
  • Kostenübernahmen (Übernachtung, Reisekosten, Catering, Dekoration, Herstellungskosten von Fachinformationen)
  • Sachzuwendungen (Bibliotheksliteratur; Kunstobjekte als Dauerleihe)

Gegenleistungen der Wissenschaftseinrichtungen können sein:

  • Gestattung der Nutzung des Hochschulnamens zur Werbenutzung durch Sponsor
  • Hinweis auf Sponsor auf Plakaten, in Katalogen ohne besondere Hervorhebung
  • Logo auf Homepage der Wissenschaftseinrichtung mit/ohne Link
  • Überlassen von Stellflächen
  • Duldung des Verteilens von Werbematerial
  • Saalbenennung

Risiken

Durch Sponsoring oder Spenden kann der Anschein der Beeinflussung erweckt werden. Durch Gegenmaßnahmen (s.u.) muss sichergestellt werden, dass kein unmittelbarer Zusammenhang zu vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Umsatzgeschäften besteht und insbesondere keine Interessenkonflikte begründet werden, die dem Ethos einer integren und erkenntnisgeleiteten Wissenschaft zuwiderlaufen.

Maßnahmen

  • Transparenzprinzip: Einwerbung von Sponsoringleistungen durch vergaberechtliches Interessenbekundungsverfahren (Wettbewerbs-/Chancengleichheit potenzieller Sponsoren, Sponsoring als zur öffentlichen Grundfinanzierung subsidiäre Einnahmequelle
  • Dokumentationsprinzip: Abschluss eines Sponsoringvertrages, der die Leistung des Sponsors (z.B. Geld- oder Sachleistung) und die Leistung des Gesponserten (z.B. Namensnennung, Raum für Produktpräsentation) definiert, Dokumentation der Abwägung und Entscheidungsgründe in einem internen Vermerk
  • 4-Augenprinzip: Grundsätzliche Zustimmungspflicht des Kanzlers/Verwaltungsleiters zu Sponsoringverträgen
  • Trennungsprinzip: keine Abhängigkeit bzw. sachlicher/zeitlicher Zusammenhang zwischen einer Sponsoringleistung und finanzwirksamen Entscheidungen der Wissenschaftseinrichtung
  • Proportionalität: angemessenes / sozialadäquates Verhältnis zwischen der Sponsoringleistung und der Gegenleistung der Wissenschaftseinrichtung
  • Haushaltswahrheit-/klarheit: Buchung der Geld/-Sachleistungen aus Sponsoring bei den entsprechenden Einnahmetiteln bzw. Inventarisierung
  • Rechenschaft: Einrichtung Sponsorenkartei (Übersicht Einzelzuwendungen, Gesamtvolumen), ex-post-Kontrolle durch internes externes Audit (Interne Revision, Rechnungsprüfungsamt, Rechnungshof, Wirtschaftsprüfer)
  • Bei Sponsoring-Verträgen sollten einer unabhängige, zentralen Stelle der Organisation zur Beratung hinzugezogen werden, z.B. Ombudsperson, Compliance-Beauftragte(r), Sponsoring-Beauftragte(r).

Steuerliche Aspekte

Abgrenzung der Sponsoringleistung und insbesondere Gegenleistung der Wissenschaftseinrichtung nach steuerlichen Sphären:

  • ideeller Bereich (Zweckverwirklichung, keine Gegenleitung), z.B.: Teilnehmergebühren für wissenschaftliche Veranstaltung (Vollkostendeckung), keine Steuerpflicht
  • Zweckbetrieb/Vermögensverwaltung (passive Nutzung des Vermögens, kein aktives Mitwirken bei Werbemaßnahmen, Verwirklichung steuerbegünstigter Zweck), z.B.: Übernachtung, Verkaufserlöse Tagungsbände, ermäßigte Umsatzsteuer-> Rechnungsstellung
  • wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (selbständige Tätigkeit mit Einnahmeerzielung, aktives Mitwirken bei Werbemaßnahmen ), z.B.: Sponsoring Rahmenprogramm/Catering, volle Umsatzsteuerpflicht -> Rechnungsstellung

Einzelne Regelungen zum Sponsoring in Bund und Ländern

Bund

Das Innenministerium hat eine allgemeine Verwaltungsvorschrift zu Sponsoring herausgegeben sowie Ausführungshinweise dazu. Außerdem gibt es die Rahmenrichtlinie der Innenministerkonferenz über Grundsätze für Sponsoring. Das Innenministerium gibt jährlich einen Sponsoringbericht heraus.

Baden-Württemberg

BaWü hat eine Sponsoringregelung und wird bald Sponsoringberichte herausgeben

Bayern

Vom Sponsoringbericht des Bayer. Staatsministeriums des Innern sind Hochschulen ausgenommen

Berlin

In Berlin verfügt inzwischen ein Großteil der Hauptverwaltung über Vorschriften zum Umgang mit Sponsoring, die teilweise wegen Fristablauf in Überarbeitung sind. Auch viele Bezirke haben entsprechende Vorschriften oder sind dabei, solche zu erarbeiten. Vom Sponsoringbericht sind Hochschulen allerdings ausgenommen.

Brandenburg

Brandenburg gibt alle zwei Jahre einen Sponsoringbericht heraus, in dem auch Hochschulen aufgeführt sind.

Bremen

Das Land Bremen führt in seinen Sponsoringberichten auch Hochschulsponsoring auf.

Hamburg

Aktuelle Sponsoringberichte aus Hamburg finden sich unter hier.

Hessen

In Hessen gibt es keine bekannten landeseigenen Regelungen zu Sponsoring.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine bekannten landeseigenen Regelungen zu Sponsoring.

Niedersachsen

In Niedersachsen hat die Landesregierung am 01.04.2014 die aktuelle Richtlinie zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung in der Landesverwaltung (Antikorruptionsrichtlinie) beschlossen. Danach sollen Sponsoringleistungen an das Land unverzüglich im Internet veröffentlicht wer­den. Darüber hinaus hat die Landesregierung entschieden, dass anonyme Spenden und Sponsoringleistungen, bei denen die Geberin oder der Geber nicht genannt werden möchte, nicht mehr angenommen werden. Aktuell werden die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, um die Öffentlichkeit auf den Websites des Landes unmittelbar über angenommene Sponsoringleistungen zu infor­mieren. Bis die notwendige Anwendung zur Verfügung steht, ist eine monatli­che statt der bisherigen jährlichen Veröffentlichung der Sponsoringleistungen vorgesehen. Der aktuelle Sponsoringbericht gilt für das Jahr 2013.

Nordrhein-Westfalen

Sponsoringverträge sind in NRW grundsätzlich schriftlich zu schließen, Bestandteil solcher Verträge ist zwingend die Einwilligung des Sponsors in eine Veröffentlichung jeder Sponsoringleistung ab 1.000 Euro. Veröffentlicht wird der Name des Sponsors, Art, Wert und konkreter Zweck der Sponsoringleistung. Seit 2009 erfolgt die Veröffentlichung für alle Ressorts inklusive ihrer Geschäftsbereiche beim NRW-Innenministeriums. Hochschulen sind von den Berichten jedoch ausgenommen.

Rheinland-Pfalz

Sponsoring in Rheinland-Pfalz wird geregelt durch eine Verwaltungsvorschrift. Berichte gibt es hier nicht.

Saarland

Die landeseigenen Regelungen für Sponsoringberichte in Saarland gelten nicht für Drittmittelforschung.

Sachsen

Von den sächsischen Sponsoringberichten sind Hochschulen ausgenommen.

Sachsen-Anhalt

Von den Sponsoringberichten in Sachsen-Anhalt sind Hochschulen ausgenommen.

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein wendet die Rahmenrichtlinie der Innenministerkonferenz an. Es gibt keine landeseigene Rahmenrichtlinie zum Sponsoring.

Thüringen

Thüringen veröffentlicht Zweijahresberichte über Sponsoring-Leistungen, auch bezüglich der Hochschulen des Landes.