Stiftungsprofessuren

Stiftungsprofessuren sind durch einen privaten oder öffentlichen Drittmittelgeber teilweise oder komplett finanziert - zum Beispiel Unternehmen, Stiftungen, der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft oder auch die öffentlich finanzierte Deutsche Forschungsgemeinschaft. Auf Hochschulwatch sind alle Stiftungsprofessuren verzeichnet, von denen wir wissen. Die Zahl der Stiftungslehrstühle ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen - auf mehr als 1.000. Stiftungsprofessuren aus der Wirtschaft haben ein Volumen von mehr als 115 Millionen Euro jährlich. (Quelle)

Verteilung von Stiftungsprofessuren

Stiftungsprofessuren sind besonders in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Berlin, Hessen, NRW und Niedersachsen präsent.

Dabei dominieren deutlich Stiftungsprofessuren in den Wirtschaftswissenschaften und den anwendungsbezogenen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Auch in der Medizin und in den Gesundheitswissenschaften sind sie weit verbreitet. Drei Viertel aller Stiftungsprofessuren sind an Universitäten, ein Viertel an Fachhochschulen eingerichtet.

Arten von Stiftungsprofessuren

Es wird zwischen Stiftungsprofessuren, Stiftungsprofessuren auf Zeit, Stiftungsgastprofessuren, Stiftungsjuniorprofessuren, Stiftungsjuniorprofessuren mit Tenure-Track, Stiftungsprofessuren für vorgezogene Berufungen und Co-Professuren unterschieden.

Eine Stiftungsprofessur ist eine neue W2 oder W3-Professur, die vom Förderer auf Zeit (meist fünf Jahre) geschaffen und anschließend von der Hochschule weitergeführt wird (Regelstiftungsprofessur). Zur Weiterführung/Übernahme verpflichtet sich die Hochschule vorab der Ausschreibung verbindlich. Deshalb wird die Stiftungsprofessur unbefristet ausgeschrieben. Bei einer Stiftungsprofessur auf Zeit richtet die Hochschule eine Professorenstelle (W2 oder W3) für die Dauer der privaten Finanzierung ein, wobei davon ausgegangen wird, dass diese nach Ablauf der Förderung von der Hochschule nicht weitergeführt wird.

Etwa die Hälfte aller Stiftungsprofessuren wird auf fünf Jahre privat finanziert, etwa 14% auf sechs Jahre und 12% auf zehn Jahre. 65% aller Stiftungsprofessuren werden in den Haushalt der Hochschule übernommen, wobei freie Stellen und Umschichtungen innerhalb der Fakultäten Voraussetzung sind.

Kritik

Unternehmen finanzieren über Stiftungsprofessuren Forschung in für sie relevanten Bereichen und binden damit indirekt auch zukünftige spezialisierte Arbeitnehmer an sich. Stiftungsprofessuren können das Image des Unternehmens erheblich verbessern.

Durch die engere Bindung der Hochschule an den jeweiligen Stifter – und damit die Wirtschaft – können Wechselverhältnisse und Interessenkonflikte entstehen, die im Sinne von Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft kritisch gesehen werden.

Code of Conduct des Deutschen Stifterverbandes

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft empfiehlt seinen Partnern bei der Einrichtung von Stiftungsprofessuren, folgende Punkte zu befolgen.

Unabhängigkeit

Die Hochschulen entscheiden frei über die Annahme von Stiftungsprofessuren. Hochschule und Förderer verständigen sich einvernehmlich über das zu bearbeitende Forschungsfeld. Der Geldgeber nimmt später keinen Einfluss auf Forschung und Lehre und die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Die Besetzung der Stiftungsprofessur findet in Übereinstimmung mit den Hochschulgesetzen der Länder statt.

Freiheit von Forschung und Lehre

Die Freiheit von Forschung und Lehre und die Unabhängigkeit der jeweils geförderten Hochschule von wirtschaftlichen und sonstigen Interessen wird gewährleistet. Es besteht kein Anspruch des Förderers auf die Verwertung von Forschungsergebnissen.

Transparenz

Zweck und Inhalt der Förderung muss für die Öffentlichkeit erkennbar und nachvollziehbar sein. Alle Beteiligten verpflichten sich, jederzeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen und umfassend und vollständig über den Verlauf der Förderung zu berichten. Die Hochschule garantiert die zweckentsprechende Verwendung der Mittel und legt regelmäßig schriftlich Rechenschaft darüber ab. Ein standardisiertes Berichtswesen ermöglicht die inhaltliche Überprüfung. In Zweifelsfällen werden unabhängige Experten hinzugezogen.

Schriftform

Zuwendungsvereinbarungen oder Zuwendungszusagen bedürfen grundsätzlich der Schriftform. Alle die Förderung betreffenden Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten.

Verzicht auf Beeinflussung

Mit der Förderung wird weder Einfluss auf Umsatzgeschäfte, Beschaffungsvorgänge etc. der geförderten Hochschule ausgeübt noch erwartet.

Schweiz

Eine Liste der Stiftungsprofessuren in der Schweiz mit genauen Informationen zur Herkunft der Mittel findet sich hier. Weitere Informationen zur Schweiz finden Sie hier.